Daniel Urria untersucht die innere Logik räumlicher Situationen, deren kurze
Momente er in hermetischen Kreisläufen in eine angespannte Leere laufen lässt.
Der Loop wird zum wesentlichen Gestaltungsprinzip geschlossener Ambiente,
in denen die Endlosschleife der Aktionen eine emotionale wie surreale Spannung
erzeugt.
In „Zwischenraum“ blickt man gleichzeitig in zwei labyrinthische
Kellergänge, die durch das Hin- und Herlaufen eines Hundes miteinander verbunden
werden. Dazwischen die unermüdliche Fahrt eines Paternosters, Symbol des
perpetuum mobile schlechthin. Es ist kein Ende, kein Ziel in Sicht. Der Betrachter
wird augenblicklich in den Bann dieses Kreislaufes gezogen und mit der Ausweglosigkeit,
dem Gefühl des Gefangenseins in dieser Situation konfrontiert. Der Hund,
der die Logik menschlicher Architektur nicht erkennt, wird zum Symbol einer
aussichtslosen Verhaftung in den Umständen.
In seiner jüngsten Arbeit „Aunque tuviera, no les
daría. (Auch wenn ich
hätte,
würde ich euch nicht geben.)“ wird dieses Prinzip des Ausgeliefertseins auf
die Spitze getrieben. In einem vollkommen abgedunkelten Raum sieht man zunächst
nur schwarzes Dunkel und kann sich nur anhand des Tons orientieren, bis im
Rechteck eines Monitorbildes ein winziger Lichtpunkt, die Helligkeit des
Himmels, die durch eine Dachluke fällt, sichtbar wird. Doch im Moment des
Erkennens wird es schon wieder Dunkel. Dieser Bildkreislauf wiederholt sich
endlos. Das Fenster, eine Metapher für den Blick und die sehende Erkenntnis
von Außenwelt, wird im
entscheidenden Augenblick durch einen Vorhang verdeckt. Der Fernseher, eine
weitere Metapher für den zeitgleichen Blick in eine andere Realität fällt
wieder ins Dunkel. Blick und Erkenntnis fallen also nur kurz zusammen bevor
sie dem Betrachter wieder entzogen werden. So wird dieser beständig auf seine
eigene Realität, das
Tappen im Dunkeln, zurückgeworfen. Er wird aber über die endlose Wiederholung
der Bilder immer wieder dem Reiz und der Hoffnung ausgesetzt, beim nächsten
Mal mehr zu sehen. Doch dieser Wunsch bleibt ihm kontinuierlich verwehrt.
Katja Albers
Die Szene zeigt einen geschlossenen Raum, in welchem eine Frau nackt auf
einer Erhöhung liegt und auf wuselnde Hunde herunterschaut, die lechzend sie zu
erreichen versuchen.
Ist die Frau ein mögliches Opfer fremder Begierde oder hat sie selbst die Hunde
geweckt? Blickt sie auf die animalische Kraft ihres eigenen Begehrens?
Eine kurze Sequenz, die in permanenter Wiederholung eine Spannung erzeugt,
welche kein Ventil findet. Erliegt sie diesem Lustdruck, bezwingt sie ihn oder zeigt
sie sich gar als seine Schöpferin?